Die Menschen hinter den Bergen
Ein Leben, geprägt von den Bergen
Lerne Paul.
IVBV/UIAGM/IFMGA-Bergführer
Staatlich geprüfter Diplomskilehrer
Langlauf-Instruktor
Telemark-Instruktor
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Alles begann vor der Haustür.
Ich bin in Umhausen im Ötztal geboren und aufgewachsen. Die Bergbegeisterung und Naturverbundenheit meines Vaters führten meine beiden Schwestern und mich schon früh ganz selbstverständlich und spielerisch zum Wandern und Bergsteigen. Unsere Entdeckungsreisen begannen im Wald, zwischen moosbedecktem Boden, Felsen, Bäumen und spannenden Höhlen. Bald führten sie uns in die Berge über unserem Dorf.
Fasziniert von den umliegenden Dreitausendern und den hohen, vergletscherten Bergen des hinteren Ötztals wurden Heinrich Kliers Rother-Führer über die Ötztaler und Stubaier Alpen und die dazugehörigen Alpenvereinskarten bald zu meiner Lieblingslektüre. Schon in der Volksschule kannte ich jede Hütte, jedes Joch und jeden Gipfel auswendig – samt Höhe, Zustiegszeit, Schwierigkeit und Besonderheiten.
Natürlich wollte ich möglichst viele dieser Gipfel besteigen. Höhepunkte jener Jahre waren die Wildspitze mit sechs Jahren und der Großglockner kurz vor meinem achten Geburtstag – neben unzähligen anderen Abenteuern, die für mich nicht weniger spannend waren.
Bis in meine Jugend war mein Vater mein Bergführer, Begleiter und Seilpartner. Nun war es Zeit, selbst aufzubrechen und Verantwortung zu übernehmen.
Es folgten meine wilden Jahre, in denen das Abenteuer an erster Stelle stand. Wir hatten das Gefühl, die Welt stünde uns offen. Rückblickend denke ich manchmal, dass ich diese Jahre erst überleben musste. Dieser erste Abschnitt meines selbstständigen Bergsteigens endete mit einer schweren Lawinenverschüttung und einem 40-Meter-Sturz beim Klettern in den Mieminger Bergen. Ich hatte großes Glück, beide Ereignisse relativ unbeschadet zu überstehen.
Ein kurzer Ausflug ins gewöhnliche Berufsleben machte mir bald klar: Das Leben, das ich mir vorstellte, sah anders aus. Ich wollte möglichst viel Zeit in den Bergen verbringen und all die Orte selbst erleben, die ich als Bub in Führern bewundert und in meinen Tagträumen schon bestiegen hatte. Mein Verhältnis zum Bergsteigen veränderte sich erneut. Ich begann, die Berge wieder mit den Augen dieses kleinen Buben zu sehen.
Ich erinnerte mich daran, wie sehr ich mich auf jeden Bergtag gefreut hatte, wie gerne ich mich darauf vorbereitete und Karten und Führer studierte. Auch die kleinen, leicht übersehenen Dinge hatten mich begeistert: jeder neue Gipfel, jeder Gletscher, jede Tiefschneeabfahrt. Ich erinnerte mich an die Aufregung, wenn mich mein Vater für eine Bergtour aus der Schule holte, und an die echten Bergsteiger mit ihren riesigen, schweren Rucksäcken. Und daran, wie sehr ich die Bergführer bewunderte – die Helden meiner Kindheit.
Heute bin ich einer von ihnen.
Auch nach vielen Jahren als Bergführer und Skilehrer haben die Berge für mich nichts von ihrem Zauber verloren. Ich freue mich noch immer auf jeden Führungstag und bin fasziniert von den unendlichen Möglichkeiten. Landschaften, Führer und Karten studiere ich nach wie vor mit Begeisterung, immer auf der Suche nach neuen Wegen, Varianten und Möglichkeiten. Jeder neue Gipfel, jede neue Route, jeder unbekannte Ort und jeder unverspurte Tiefschneehang lässt mich wieder zum Kind werden. Ebenso das unbezahlbare Gefühl, hoch in den Bergen den Beginn eines neuen Tages zu erleben.
Vielleicht bin ich mit den Jahren etwas älter, ruhiger und klüger geworden. Im Herzen bin ich wahrscheinlich noch immer derselbe kleine Bub.



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